12.05.26
Amateurfunkprüfung
Heute habe ich die Amateurfunkprüfung bestanden!
Das löst Glück in mir aus, ich laufe ein wenig wie frisch verknallt durch die Gegend. Und weil es so schön war und auch, weil es so wenig Berichte von diesen Prüfungen im Netz gibt, berichte ich hier mal. Also:
Ich sollte um 9 bei der Außenstelle der Bundesnetzagentur (BNetzA), Willestraße 2, Hannover, sein, bin mit der Straßenbahn hingefahren und war so um 8:45 schon da. Vor der Tür standen bereits drei von mir männlich gelesene Personen. Männlich ist ja eh das Thema beim Amateurfunk, ich möchte eigentlich lieber sagen, Herren, das Durchschnittsalter liegt bei 60, auch wenn in letzter Zeit mehr und mehr junge Leute dazu kommen sollen, wie man so liest. Wie es unsere männliche Sozialisation so mit sich bringt, man quatscht nicht so viel, die meisten jedenfalls, ich hab fröhlich “morgen” gesagt und das kam auch zurück, begleitet von etwas kritischen Blicken, so ist das unter uns.
Wie es sich herausstellte, durften wir schon rein und wurden in einen Warteraum geleitet, der auch gar nicht ganz leer war und sich in den folgenden Minuten stetig füllte, bis dort ungefähr 12 Personen saßen - eine davon tatsächlich von mit weiblich gelesen. Schweigen, eine unangenehme Spannung lag in der Luft, ich war eigentlich zu Scherzen aufgelegt, wollte aber nicht der sein, der das Schweigen bricht. Irgendwann sagte einer, es sei ein wenig wie beim Hausarzt im Wartezimmer, und ich ergänzte, ja, oder eher wie beim Urologen.
Die Spannung löste sich, als die beiden Mitarbeiter der BNetzA so um fünf vor neun in der Tür standen. Sie begrüßten uns sehr freundlich, nahmen durch ihre lockere Art gleich die Spannung aus allem und wir sollten gleich mal die Mobiltelefone leise stellen und ihnen folgen. Sie brachten uns in den Prüfungsraum, in dem standen einzelne große Tische mit je einem Stuhl. Auf jedem Tisch stand ein großes Schild mit einem Buchstaben “E” oder “A” - für die Prüfung für Klasse N gab es heute keine Anmeldungen. Man sollte sich an einen der Tische mit der richtigen angestrebten Lizenzklasse setzen, bei mir A.
Auf dem Tisch lagen bereits die Mappe mit den Hilfsmitteln, zwei farbige Mappen und ein Schmierzettel.
Sie erklärten den Ablauf:
- Die Fragen sind jeweils in einer farbigen Mappe. Die ersten beiden Fragenblöcke lagen also schon auf dem Tisch, nämlich zu Vorschriften und Betrieblichen Kenntnissen.
- Wenn man fertig war mit einem Block, hielt man die Mappe hoch und konnte jeweils eine Pause machen und raus gehen, oder gleich mit dem nächsten Block weiter machen.
- Die weiteren Blöcke sind dann jeweils die technischen Fragen in der Reihenfolge N, E und schließlich A.
- Aufs Klo gehen während eines Blocks ist nicht erwünscht.
- Für die Blöcke stehen jeweils 45 Minuten zu Verfügung, für den Block Technik Klasse A 60 Minuten.
- In jedem Block gibt es 25 Fragen mit je vier Antwortmöglichkeiten, von denen nur eine richtig ist. Zum Bestehen eines Blocks braucht es 19 richtige Antworten.
(Die weiteren Regularien der Prüfung spare ich mir hier, wiederzugeben, die stehen ja vielerorts schon im Netz.)
Dann durften wir loslegen. Es wurde keine Stoppuhr gestartet oder ähnlich, die ersten beiden Mappen lagen ja schon da, und für sie hatten wir dann 90 Minuten zusammen. Ich war etwas angespannt, aber nicht zu sehr. Dazu hat auch beigetragen, dass die beiden Mitarbeiter der BNetzA eine wirklich freundliche Atmosphäre verbreitet haben. An der Wand hing eine Uhr, ich konnte die Zeit also gut im Blick behalten.
Ich arbeitete mich durch die Fragen, auf einem Antwortbogen sollte man die persönlichen Daten eintragen und dann die entsprechenden Kreuze machen. Die allermeisten Fragen konnte ich sehr gut, habe aber deutlich langsamer und konzentrierter gearbeitet als beim Üben, um nicht Flüchtigkeitsfehler zu machen. Fragen, bei denen ich zunächst nicht sicher war, habe ich übersprungen und am Ende in Ruhe noch einmal durchdacht, was meistens dann zur Lösung führte - entweder, weil in anderen Fragen die Lösung mittelbar drinsteckte, oder weil ich beim zweiten Lesen einfach erst die richtige Idee hatte.
Die Zeit ist wirklich reichlich gewesen für mich. Ich war um 9:25 mit den ersten beiden Teilen fertig und habe gleich die Technik Klasse N dran gehängt.
Bei diesem Prüfungsteil musste ich an den jugendlichen Moritz denken, der ich war, mit 12 oder 13, der CB-Funker war und vom Amateurfunk geträumt hat. Irgendwie war das damals ein kaum erreichbares Ziel in weiter Ferne. In der ersten Frage musste man das Schaltzeichen einer Leuchtdiode erkennen. Ich hatte in dem Alter viel Elektronik gebastelt und auch viele Leuchtdioden hier und dahin gelötet. Als ich den Prüfungsteil fertig hatte, wusste ich, dass ihn der Moritz mit 13 definitiv auch geschafft hätte.
Beim Teil Technik E wurde es schwieriger. Hier fiel mit auf, dass ich diesen Teil vielleicht etwas wenig geübt habe, weil ich mich so sehr auf A konzentriert hatte. Es war aber gut zu schaffen, vielleicht hatte ich hier eher am meisten Fehler.
Vor dem Teil Technik A habe ich eine Pause gemacht, es gab Kaffee im Warteraum für 50 Cent, und bin ein wenig herumgelaufen. Im Foyer der BNetzA gibt es eine Pinnwand, darauf sind drei Bereiche: Gleichstellungsbeauftragte, Verdi und Feuerschutz / Brandfall. Im ersten Teil hängen mehrere Plakate zur Gewaltprävention.
Im Warteraum habe ich kurz mit der einzigen weiblich gelesenen Person gesprochen. Sie ist mitgekommen, um jemand anders zu begleiten, und hat nicht an der Prüfung teilgenommen. Wenn man die Rufzeichenlisten so durchsieht, kommt man auf einen Anteil weiblicher Vornamen von vielleicht maximal 5%, glaube ich.
Zurück in die Prüfung, der Technik-Teil A hatte unter den ersten fünf Fragen zwei, die ich nicht gleich beantworten konnte und übersprungen habe. Dann habe ich immer wieder gezählt und als ich gemerkt hatte, dass ich auf 19 recht sichere Antworten gekommen war, durchströmte mich ein ziemliches Glücksgefühl.
Die unsicheren Antworten habe ich aber auch noch gegeben, die meisten davon dann doch mit ziemlicher Sicherheit - die Formelsammlung ist da schon sehr viel wert. Ganz am Ende habe ich alles noch mal durchgesehen und noch einen Fehler gefunden: Bei der Reihenschaltung von Kondensatoren addieren sich die Kapazitäten nicht, sondern sie verhalten sich so, wie Widerstände in Parallelschaltung - dem wäre ich fast auf den Leim gegangen :)
Um 11, nach zwei Stunden inklusive Pause, war ich mit allem fertig.
Nach Abgabe der Mappe sollte ich wieder ins Wartezimmer, dann übergab der Mitarbeiter mir meine “Teilnahmebescheinigung” und sagte: Herzlichen Glückwunsch, das war eine starke Leistung mit ganz wenigen Fehlern.
Ich bin jetzt Funkamateur! Juhuuuh!

(Senden darf ich allerdings erst, wenn ich auch meine Zulassung und das Rufzeichen habe, das ist jetzt noch mal ein Verwaltungsakt. Naja und ein Funkgerät habe ich auch nicht :)